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Index-Branchenradar erkennt Investitions- und Jobtrends Monate im Voraus

Das neue KI-gestützte Index-Branchenradar zeigt präziser als klassische Konjunkturmonitore, wie sich einzelne Branchen in Deutschland entwickeln. Hierfür kombiniert das Modell online frei zugängliche Informationen zu Investitionen von Unternehmen mit ihren öffentlich ausgeschriebenen Stellen. Die erste Auswertung zeigt: Derzeit überwiegen Signale für rückläufige Investitionen. Gleichzeitig schätzt das Modell, dass anstelle der üblichen Frühjahrserholung lediglich 3,5 % mehr Unternehmen Stellen ausschreiben werden. Das index-Branchenradar ist ein gemeinsames Projekt des Oldenburger Scaleups Hase und Igel und der Berliner Personalmarktforschung Index-Research. Das Whitepaper zum Index-Branchenradar steht hier zum kostenfreien Download bereit.

Das Modell analysiert zwei zentrale betriebswirtschaftliche Faktoren: Investitionen, beispielsweise der Bau eines neuen Werkes oder der Aufbau eines weiteren Geschäftsbereichs, und Stellenangebote. Beide steigen typischerweise, wenn Unternehmen expandieren. Gerät ein Unternehmen wirtschaftlich unter Druck, schreibt es in der Regel weniger Stellen aus und deinvestiert. Indikatoren für Deinvestitionen sind u. a. Werksschließungen sowie Spar- und Entlassungsmaßnahmen.

Die aktuelle Lage: Zwischen vorsichtiger Erholung und Sparzwang

Das Index-Branchenradar zeichnet für die kommenden Monate ein gemischtes Lagebild. Eine breite konjunkturelle Erholung bleibt zwar vorerst aus, doch die Investitionssignale nehmen spürbar zu. Zuletzt stiegen sie dreimal stärker als die Anzeichen für Sparmaßnahmen, wenn auch derzeit noch in den meisten Branchen mehr Unternehmen deinvestieren als investieren.

Auch der Personalbedarf wächst nur moderat. Nachdem bis Ende Februar 8,7 Prozent weniger Unternehmen Mitarbeitende suchten als im Vorjahr, geht das Modell davon aus, dass die übliche Frühjahrserholung in diesem Jahr sehr moderat ausfällt. Demnach werden bis Ende Mai nur 3,5 % mehr Unternehmen Stellen ausgeschrieben haben als im Februar.

Den Berechnungen zufolge werden sich 2026 beim Recruiting zwei Lager herausbilden: In rund 50 % der Branchen werden mehr Unternehmen Stellen ausschreiben, in der anderen Hälfte hingegen weniger als zu Jahresbeginn.

Branchensicht: Gewinner und Verlierer der konjunkturellen Entwicklung

Besonders stark fällt die positive Trendwende im Gesundheitswesen aus: Während dort zu Jahresbeginn noch 66 % weniger Unternehmen Stellen ausgeschrieben hatten als im Vorjahr, geht das Modell in den nächsten Monaten von mehr als einer Verdoppelung der Zahl der ausschreibenden Unternehmen aus (+102 %). Auch die Investitionssignale überwiegen inzwischen wieder leicht die Deinvestitionssignale (50,2 % zu 49,8 %).

Hingegen zeigten Hersteller von Leder und Lederwaren zwar noch zu Jahresbeginn ein stärkeres Wachstum als im Vorjahr (2 % mehr Unternehmen, die Mitarbeitende suchen), sind nun aber besonders stark von Rückgängen betroffen (60 % weniger Unternehmen werden Stellen ausschreiben, 59 % Deinvestitions- zu 41 % Investitionssignale).

Einen beschleunigten Abstieg zeigt die Schifffahrtsbranche: Sie startete bereits das Jahr 2026 mit 66 % weniger Unternehmen auf Wachstumskurs als im Vorjahr. Bis Ende Mai prognostiziert das Modell – bereits vor Beginn des Iran-Krieges – einen weiteren Rückgang von 37 %. Allerdings wird hier zuletzt wieder mehr investiert (74 % Investitions- zu 26 % Deinvestitionssignale).

Ein fortgesetztes, jedoch verlangsamtes Wachstum ist im Bereich der Informationsdienstleistungen zu verzeichnen, insbesondere getrieben durch Hosting und Rechenzentren. Nachdem die Zahl der ausschreibenden Unternehmen bereits zu Jahresbeginn um 5 % über dem Vorjahr lag, wird bis Ende Mai ein weiteres Wachstum von gut 1 % erwartet. 76 % Investitions- stehen 24 % Deinvestitionssignalen gegenüber.

Warum klassische Konjunkturdaten an ihre Grenzen stoßen

Die meisten Konjunkturmonitore basieren auf Umfragen oder gemeldeten Umsätzen. Beide Indikatoren haben jedoch Schwächen. Befragungen spiegeln oft subjektive Einschätzungen wider und nicht das tatsächliche Handeln. Die gemeldeten Umsätze sind zwar sehr belastbar, liegen aber erst mit großen Verzögerungen vor. Und für nachhaltiges Wachstum sind letztlich Investitionen entscheidend.

Einschätzungen der Entwickler des Index-Branchenradars

„Stellenanzeigen und Investitionssignale zeigen, was Unternehmen tatsächlich tun. Genau diese Daten machen unsere Prognosen so aussagekräftig“, betont Olga Golubchykova, Leiterin von Index-Research.

„KI ermöglicht uns wesentlich tiefere Aussagen und stärkere Modelle, da die lernenden Algorithmen zig Millionen an Medienbeiträgen, Websites und Stellenanzeigen analysieren können, statt lediglich ein paar Tausend Menschen zu befragen. Mit menschlicher Arbeit wäre dieser Aufwand gar nicht zu leisten“, erklärt Jan Schoenmakers, Geschäftsführer von Hase und Igel.

Zur Methodik des Index-Branchenradars

Das Modell kombiniert zwei Datenquellen: Zum einen Unternehmensmeldungen, Medienberichte und Social-Media-Beiträge über Unternehmen und zum anderen die Stellenanzeigen-Datenbank Index-Anzeigendaten der Index-Gruppe.

Das deutsche KI-System „Neutrum“, entwickelt von Hase und Igel, erkennt aus der laufenden Analyse sämtlicher öffentlich zugänglicher Medienberichte, Unternehmenswebsites und Social-Media-Kanäle, ob Firmen investieren, etwa in neue Werke oder Geschäftsbereiche, oder Kapazitäten abbauen, und ordnet die Firmen Branchen zu.

Die Datenbank Index-Anzeigendaten erfasst tagesaktuell veröffentlichte Stellenanzeigen in Deutschland. 2025 wurden insgesamt 24 Millionen Anzeigen ausgewertet. Die Quellenbasis umfasst rund 200 Printmedien, fast 350 Online-Jobbörsen, 900.000 Firmenwebsites sowie das Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit, ebenfalls feingliedrig anhand der „Klassifikation der Wirtschaftszweige“ (WZ 2008) der Bundesagentur für Arbeit nach Branche geschlüsselt.

Aus diesen zusammengeführten Signalen ermittelt die Neutrum-KI automatisch das optimale, kontinuierlich lernende Prognosemodell für Investitionen und Personalbedarf.

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